Sind die Zeiten des zufälligen Flirts vorbei? Laut Statistik verliebt sich alle 11 Minuten jemand im Netz. Wie kommt diese Statistik zustande? Ist die Liebe durch die digitalen Partnerschaftsplattformen demokratischer geworden? Findet nun jeder, den oder die, die er sucht beim Romantik-Lieferservice frei Haus? 

In Guy Helmingers neuem Stück „Jockey" versuchen einige Figuren, die Einsamkeit, die Liebe, das Leben zu meistern. Sie treffen sich mit anderen, von denen sie nur wissen, was diese von sich im Netz behaupten. Was sie nicht wissen, ist, wie viel von all dem stimmt? Das Rendezvous wird zumindest aufklären, ob die Fotos gefälscht waren, um den eigenen Marktwert zu steigern. Womöglich sitzt aber auch der Traumpartner im teuren Restaurant mit einer Rose im Knopfloch. Die Liebe ist schließlich keine Schnäppchenjagd, ein ordentliches Essen mit gutem Wein muss es schon sein, wenn man sich zum ersten Mal in die Augen schaut. Das scheint sich nicht geändert zu haben und doch sind Online-Portale nicht bloße Spielerei, sie bestimmen mehr und mehr die Rituale des menschlichen Balz-Verhaltens. Wieso spricht jemand die Nachbarin, die zwei Häuser weiter wohnt, nicht auf der Straße an, versucht aber ein Date beim Liebesentrepreneur mit ihr zu arrangieren? Oder geht es nur um Sex, um das Ersetzen der Anbahnungsstrategie durch PC-Algorithmen? Mit Beischlaf-Mathematik schneller zum Ziel? 

Wir können nicht versprechen, dass Sie an diesem Abend den Partner fürs Leben finden werden, aber sollten Sie sich bei dieser Komödie langweilen, könnten Sie im Dunkeln ganz ungeniert mit ihrer Sitznachbarin zur Rechten oder dem Klappstuhlgesellen zu ihrer Linken flirten. Eine Win-Win-Situation. Sie sehen, Theater bietet mehr als jede Dating-Plattform. 

Mit: Eugénie Anselin, Luka Vlatkovic & Pitt Simon
Regie & Bühne: Calle Fuhr
Regieassistenz: Liss Scholtes
Kostüme: Caroline Koener
Koproduktion: Kasemattentheater, Théâtre Esch & KHN