Lenz

Georg Büchner / Frank Feitler

Den 20. Jänner ging Lenz durch's Gebirg. Die Gipfel und hohen Bergflächen im Schnee, die Täler hinunter graues Gestein, grüne Flächen, Felsen und Tannen. Es war naßkalt, das Wasser rieselte die Felsen hinunter und sprang über den Weg. Die Äste der Tannen hingen schwer herab in die feuchte Luft. Am Himmel zogen graue Wolken, aber Alles so dicht, und dann dampfte der Nebel herauf und strich schwer und feucht durch das Gesträuch, so träg, so plump. Er ging gleichgültig weiter, es lag ihm nicht's am Weg, bald auf- bald abwärts. Müdigkeit spürte er keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, daß er nicht auf dem Kopf gehn konnte.

So beginnt einer der aufregendsten Texte der deutschen Literatur.

Der 27-jährige Jakob Michael Reinhold Lenz wandert durch die Vogesen auf dem Weg zu Pfarrer Oberlin, der bereit ist, den verwirrten Dichter bei sich aufzunehmen. Hier will Lenz zur Ruhe kommen, Frieden finden, genesen, sein vermeintliches Scheitern vergessen und neue Kraft gewinnen. Aber die Vergangenheit holt ihn ein, die Begegnung mit alten Bekannten, die mahnenden Briefe seines strengen Vaters, alte Schuldgefühle, der Tod eines Kindes vergrößern seine  Angstzustände, seine Orientierungslosigkeit und seine innere Leere.

Georg Büchner schildert in seiner Novelle Lenz beklemmend intensiv den Weg in den Wahnsinn dieses Dichters, der 1792  völlig verarmt auf einer Straße in Moskau tot aufgefunden wurde und der als bedeutendster Vertreter des Sturm und Drang gilt. Büchner selber starb  in Zürich, "24 Jahre alt, aus Mangel an Hoffnung", wie Heiner Müller schreibt. 

Mit: Luc Feit
Regie: Frank Feitler
Regieassistenz: Tom Dockal
Text: Georg Büchner
Mitarbeit: Sabine Vitua
Koproduktion: Théâtre National du Luxembourg, Les Théâtres de la Ville de Luxembourg